JUPITER ist der schnellste Supercomputer Europas und der erste Rechner der Exascale-Klasse auf dem Kontinent. Er steht im Forschungszentrum Jülich in Nordrhein-Westfalen, wurde am 5. September 2025 eingeweiht und schafft im offiziellen Leistungstest 1 ExaFLOP/s. Das sind eine Trillion Rechenoperationen pro Sekunde, also eine 1 mit 18 Nullen.
In der aktuellen TOP500-Liste vom Juni 2026 steht JUPITER auf Platz 5 der Welt. Vor ihm liegen der neue chinesische Spitzenreiter LineShine und die drei US-Systeme El Capitan, Frontier und Aurora. Unter diesen fünf Exascale-Rechnern braucht JUPITER den wenigsten Strom pro Rechenoperation.
JUPITER auf einen Blick
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Standort | Forschungszentrum Jülich, Jülich Supercomputing Centre (JSC) |
| Einweihung | 5. September 2025 |
| Leistung (HPL, 64 Bit) | 1,0 ExaFLOP/s, theoretische Spitze 1,23 ExaFLOP/s |
| Leistung für KI (8 Bit) | über 40 ExaFLOP/s (theoretisch) |
| TOP500 Juni 2026 | Platz 5 weltweit, Platz 1 in Europa |
| Hersteller | Konsortium aus ParTec (Deutschland) und Eviden (Frankreich) |
| Chips im Booster | rund 24.000 NVIDIA GH200 Grace Hopper Superchips |
| Stromaufnahme im Test | etwa 15,8 Megawatt |
| Kosten | 500 Millionen Euro |
Was ist JUPITER?
Der Name steht für „Joint Undertaking Pioneer for Innovative and Transformative Exascale Research“. Hinter dem sperrigen Titel steckt ein einfaches Ziel: Europa sollte einen eigenen Rechner bekommen, der mit den größten Systemen aus den USA mithalten kann. Bis dahin lagen alle Exascale-Rechner in Amerika. JUPITER ist damit der erste europäische Supercomputer dieser Klasse.
„Exascale“ heißt, dass ein Computer mindestens eine Trillion Gleitkommazahl-Rechnungen pro Sekunde schafft, und zwar mit doppelter Genauigkeit (64 Bit). Solche Hochleistungscomputer bestehen aus zehntausenden Chips, die parallel arbeiten und riesige Datenmengen gleichzeitig verarbeiten. Zum Vergleich: Ein moderner Gaming-PC mit starker Grafikkarte kommt bei dieser Genauigkeit auf einen winzigen Bruchteil davon. JUPITER müsste man sich als viele tausend solcher Rechner vorstellen, die über ein extrem schnelles Netz wie ein einziges Gerät zusammenarbeiten.
Betrieben wird er vom Jülich Supercomputing Centre. Das JSC gehört zusammen mit dem Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart (HLRS) und dem Leibniz-Rechenzentrum in Garching zum Gauss Centre for Supercomputing, dem Verbund der drei großen deutschen Rechenzentren. Wer „Jülich Supercomputer“ sucht, landet also heute fast immer bei JUPITER, auch wenn in Jülich seit Jahrzehnten Großrechner stehen, etwa JUWELS oder JURECA.
Platz in der TOP500: So schnell ist JUPITER im Vergleich
Die TOP500 ist die Rangliste der schnellsten Computer der Welt. Sie erscheint zweimal im Jahr und misst die Leistung mit dem Linpack-Test (HPL), der ein riesiges Gleichungssystem löst. Im Juni 2025 kam JUPITER noch vor der vollständigen Fertigstellung auf Platz 4. Im November 2025 knackte er als erstes europäisches System die Marke von 1 ExaFLOP/s. In der Liste vom Juni 2026, vorgestellt auf der International Supercomputing Conference (ISC) in Hamburg, rutschte er auf Platz 5, weil ein neuer Rechner aus China an die Spitze gesprungen ist. Damit bleibt JUPITER der schnellste Supercomputer Europas.
| Platz | System | Land | Leistung (Rmax) | Strom im Test |
|---|---|---|---|---|
| 1 | LineShine | China | 2,20 ExaFLOP/s | 42,2 MW |
| 2 | El Capitan | USA | 1,81 ExaFLOP/s | 29,7 MW |
| 3 | Frontier | USA | 1,35 ExaFLOP/s | 24,6 MW |
| 4 | Aurora | USA | 1,01 ExaFLOP/s | 38,7 MW |
| 5 | JUPITER Booster | Deutschland | 1,00 ExaFLOP/s | 15,8 MW |
Quelle: TOP500, Liste Juni 2026. Die Tabelle zeigt, wo JUPITER punktet. El Capitan im kalifornischen Lawrence Livermore National Laboratory ist fast doppelt so schnell, zieht aber auch fast doppelt so viel Strom. JUPITER kommt auf gut 63 Milliarden Rechenoperationen pro Watt, El Capitan auf knapp 61, Frontier auf etwa 55. Aurora liegt fast gleichauf mit JUPITER bei der Leistung, braucht dafür aber mehr als doppelt so viel Energie.
Wie die übrigen Plätze der Liste aussehen und welche Rechner dort vorne stehen, zeigt unser Überblick über die Top 5 der aktuellen Supercomputer. Was „schnellster Computer“ eigentlich bedeutet und wie sich der Titel über die Jahre verschoben hat, erklärt der Beitrag Der schnellste Computer der Welt.
Wer hat JUPITER gebaut? Hersteller und Technik
Die Frage nach dem JUPITER-Hersteller hat mehrere Antworten. Den Auftrag bekam 2023 ein Konsortium aus zwei europäischen Firmen: ParTec aus München und Eviden, die Hightech-Sparte des französischen Atos-Konzerns. Die wichtigsten Chips liefert NVIDIA aus den USA, einen Teil der Prozessoren das französische Unternehmen SiPearl. Mehr zu den großen Namen der Branche steht in unserem Artikel über bedeutende Computerunternehmen.
Modulare Bauweise: Booster und Cluster
JUPITER folgt der „Modularen Supercomputing-Architektur“, die Jülich zusammen mit ParTec entwickelt hat. Statt einer einzigen Maschine gibt es mehrere Module, die für unterschiedliche Aufgaben gebaut sind und zusammenarbeiten.
- Booster-Modul: das Kraftpaket. 5.884 Rechenknoten in 125 Schränken, jeder Knoten mit vier NVIDIA GH200 Grace Hopper Superchips. Ein Superchip verbindet einen Arm-Prozessor (Grace) mit einem Grafikprozessor (Hopper) und 96 Gigabyte schnellem HBM3-Speicher. Dieses Modul liefert die 1 ExaFLOP/s.
- Cluster-Modul: für Programme, die besser auf klassischen Prozessoren laufen. Dazu gehören 162 Knoten mit dem Rhea1-Prozessor von SiPearl, einem in Europa entwickelten Arm-Chip, und 582 Knoten mit AMD-Prozessoren.
- Speicher: rund 20 Petabyte schneller Flash-Speicher (ExaFLASH), 308 Petabyte Festplattenspeicher (ExaSTORE) und ein Bandarchiv mit 379 Petabyte (ExaTAPE).
- Netzwerk: InfiniBand NDR von NVIDIA mit 867 Switches, die rund 25.000 Endpunkte verbinden.
Die Schränke stammen aus der BullSequana-XH3000-Serie von Eviden. Ein Programm kann Teile seiner Arbeit auf dem Booster und andere Teile auf dem Cluster rechnen lassen, je nachdem, welche Hardware besser passt.
Ein Rechenzentrum aus Containern
Für JUPITER wurde kein klassisches Gebäude hochgezogen. Er steht in einem Modularen Rechenzentrum aus rund 50 Container-Einheiten auf mehr als 2.300 Quadratmetern. Das ging schneller als ein Neubau und lässt sich später erweitern oder umbauen.

Energie, Kühlung und Abwärme
Ein Supercomputer dieser Größe braucht viel Strom. Beim TOP500-Leistungstest nahm der JUPITER-Booster etwa 15,8 Megawatt auf. Das ist viel, aber für einen Exascale-Rechner wenig: Aurora in den USA braucht für fast dieselbe Leistung rund 38,7 Megawatt.
Im normalen Forschungsbetrieb liegt der Energiebedarf nach Schätzungen im Mittel bei etwa 11 Megawatt, weil nicht ständig alle Chips unter Volllast laufen.
Gekühlt wird mit einer Warmwasserkühlung von Eviden. Die Kühlkörper sitzen direkt auf den Chips, das Wasser fließt durch die Schränke und nimmt die Wärme mit. Das braucht deutlich weniger Energie als eine klassische Luftkühlung mit Klimaanlagen. Außerdem ist das Wasser danach warm genug, um die Abwärme zum Heizen von Gebäuden zu nutzen: Das Forschungszentrum will die beim Kühlen anfallende Wärme auskoppeln und damit Gebäude auf dem Campus beheizen. Das Modulare Rechenzentrum ist genau auf diese Kombination aus Stromversorgung, Kühlung und Wiederverwertung ausgelegt.
Schon das Testmodul JEDI, das 2024 mit derselben Technik lief, stand an der Spitze der Green500, der Rangliste der energieeffizientesten Supercomputer. Es schaffte 72 Milliarden Rechenoperationen pro Watt und damit Platz 1 im Green500-Ranking. In der Green500 vom Juni 2026 liegt der volle JUPITER auf Platz 17. Die ersten Plätze belegen dort kleinere Systeme, bei denen sich eine hohe Effizienz leichter erreichen lässt.
Wofür wird JUPITER genutzt?
JUPITER ist ein Werkzeug für die Forschung. Laut Betreibern laufen bereits mehr als 120 Forschungsprojekte darauf. Die Rechenzeit wird zur Hälfte von der europäischen Initiative EuroHPC vergeben und zur anderen Hälfte vom Gauss Centre for Supercomputing an Hochschulen und Institute in Deutschland.
Klima und Wetter
Klimamodelle zerlegen die Erde in ein Gitter aus Zellen. Je feiner das Gitter, desto genauer lassen sich Wolken, Stürme oder Starkregen abbilden, aber desto mehr Rechenleistung braucht es. Mit JUPITER lassen sich feinere Gitter rechnen als bisher. Die Simulationen mit solchen Klimamodellen zeigen besser, wie sich Extremwetter regional verändert.
Künstliche Intelligenz
Die Grace-Hopper-Chips sind für Anwendungen der künstlichen Intelligenz gebaut. Bei 8-Bit-Rechnungen, wie sie beim Training großer Sprachmodelle üblich sind, kommt JUPITER theoretisch auf über 40 ExaFLOP/s. Ein großes Sprachmodell ließe sich bei voller Auslastung in weniger als einer Woche trainieren. Mit der JUPITER AI Factory sollen auch Start-ups, kleine und mittlere Unternehmen und die Industrie Zugang zur Rechenkapazität bekommen, um eigene KI-Modelle zu trainieren und KI-Lösungen zu entwickeln. Für Jülich bedeutet die KI-Fabrik, dass sich der Standort vom reinen Forschungsrechner zu einem Anlaufpunkt für die Wirtschaft entwickelt.
Materialforschung, Medizin und Strömungen
Forschende berechnen auf JUPITER neue Materialien für Batterien und Solarzellen, Moleküle für Medikamente und Strömungen in Motoren oder Windparks. Ein Beispiel aus Jülich: Eine Strömungssimulation, die früher zwei Wochen dauerte, soll auf JUPITER an einem Tag fertig sein. Auch die Hirnforschung nutzt das System, um Netzwerke aus Nervenzellen nachzubilden.
Quantencomputer simulieren
Ein ungewöhnlicher Einsatz: JUPITER kann einen Quantencomputer nachrechnen. Der Speicherbedarf verdoppelt sich mit jedem zusätzlichen Qubit, deshalb ist das eine harte Probe für jeden Rechner. Ein Laptop schafft etwa 32 Qubits, das Ziel in Jülich lag bei mehr als 50. Wie Quantencomputer funktionieren und warum sie klassische Rechner nicht einfach ersetzen, steht in unserem Beitrag Quantencomputer einfach erklärt.
Kosten und Finanzierung
JUPITER kostet insgesamt 500 Millionen Euro. Die Hälfte zahlt die europäische Supercomputing-Initiative EuroHPC Joint Undertaking. Je 125 Millionen Euro kommen vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt und vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Zur Einweihung kamen Bundeskanzler Friedrich Merz, NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und Bundesforschungsministerin Dorothee Bär nach Jülich. Die Politik sieht in dem Rechner einen Schritt zu mehr digitaler Souveränität: Deutschland stößt damit in die Weltspitze des Supercomputing vor, und Forschende müssen für große Rechenaufgaben nicht mehr ins Ausland ausweichen.
Supercomputer in Deutschland: Wo JUPITER steht
JUPITER ist der mit Abstand stärkste Supercomputer Deutschlands, aber nicht der einzige. Das HLRS in Stuttgart und das Leibniz-Rechenzentrum in Garching betreiben eigene Großrechner für Wissenschaft und Industrie. Dazu kommen Systeme beim Deutschen Wetterdienst, an Universitäten und in Unternehmen. Keines davon erreicht aber die Exascale-Klasse.
Für Europa ist JUPITER ein Signal: Der Kontinent kann einen Rechner dieser Größe selbst planen, bauen und betreiben. Ganz unabhängig ist er dabei nicht, denn die wichtigsten Chips kommen weiter von NVIDIA. Der europäische Rhea-Prozessor im Cluster-Modul ist ein erster Schritt, eigene Prozessoren in solche Systeme zu bringen. Weitere Informationen stellt das Forschungszentrum Jülich auf seiner JUPITER-Seite bereit.
Häufige Fragen zum Supercomputer JUPITER
Wie schnell ist JUPITER?
Im Linpack-Test schafft JUPITER 1,0 ExaFLOP/s, also eine Trillion Rechnungen pro Sekunde mit 64-Bit-Genauigkeit. Die theoretische Höchstleistung liegt bei 1,23 ExaFLOP/s, für KI-Rechnungen mit 8 Bit bei über 40 ExaFLOP/s.
Ist JUPITER der schnellste Computer der Welt?
Nein. Im Juni 2026 liegt er auf Platz 5. Schneller sind LineShine aus China, El Capitan, Frontier und Aurora aus den USA. In Europa ist JUPITER die Nummer 1.
Wo steht JUPITER?
Im Forschungszentrum Jülich zwischen Aachen und Köln, in einem eigens gebauten Rechenzentrum aus Containermodulen.
Ist JUPITER ein Quantencomputer?
Nein. JUPITER ist ein klassischer Supercomputer mit herkömmlichen Prozessoren und Grafikchips. Er kann Quantencomputer aber simulieren. Echte Quantencomputer betreibt das Forschungszentrum getrennt davon in seiner Einrichtung JUNIQ.
Kann jeder auf JUPITER rechnen?
Nicht einfach so. Forschende und Unternehmen bewerben sich mit einem Projekt um Rechenzeit. Gutachter entscheiden, wer wie viele Stunden bekommt.
Zusammenfassung
JUPITER in Jülich ist Europas erster Exascale-Supercomputer und steht im Juni 2026 auf Platz 5 der TOP500. Gebaut von ParTec und Eviden mit rund 24.000 NVIDIA-Superchips, schafft er 1 ExaFLOP/s bei rund 15,8 Megawatt und ist damit der sparsamste Rechner seiner Klasse. Er rechnet für Klimaforschung, KI, Materialwissenschaft und Medizin und hat 500 Millionen Euro gekostet, getragen von EU, Bund und Land NRW.